SPD-Arbeitskreis Stadtentwicklung

 

Herten ist unsere Heimat, zumindest im Sinne des türkischen Sprichworts: „Heimat ist, wo man sein Brot isst.“ Deshalb, weil wir hier zuhause sind, interessiert uns auch, wohin sich Hertenentwickelt und was wir zur Entwicklung unserer Stadt beitragen können, was wir anschieben, was wir verhindern wollen.

Der besondere Reiz Hertens besteht in der Nähe und der Übersichtlichkeit der Stadtviertel und der Nachbarschaften bei hervorragender Erreichbarkeit der Infrastruktur der „Stadt der Städte“, der Metropole Ruhr in Bezug auf Bildung, Ausbildung, Arbeit, Gesundheit, Kultur und Freizeit.Westerholt, Bertlich, Langenbochum, Scherlebeck, Disteln, Herten Mitte und Süd sind ebenmehr als der Discounter vor Ort, sondern bieten alte, gewachsene Strukturen und Traditionen. Herten hat eine besondere Qualität der Beziehung praktisch aller Stadtteile zu umfangreichen Grünbereichen.

„Es braucht das ganze Dorf, damit Kinder aufwachsen können,“ wird oft zitiert. In Herten gab es für viele Jahre die Initiative „Kinderfreundliche Stadt“.Als die Zahl der Kinder im Rahmen der demografischen Entwicklung zurückging, ging man bundesweit und auch in Herten davon aus, dass der steigende Bedarf nach Qualität und Quantität bei der Betreuung junger Menschen aus sogenannten „Demografiegewinnen“ zu finanzieren sei.
Tatsächlich ist die Zahl der Kinder, sind aber auch die Versorgungsquoten gegenüber den damaligen Annahmen gestiegen. Wir müssen sowohl die Quantität wie auch die Qualität der Bildungsangebote vor Ort ausbauen. Für die wieder wachsende Zahl der Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, eine Zukunftsperspektive vor Ort zu schaffen. Besonders für junge Menschen fehlen heute freie, offene Angebote und Räume in der Stadt.

Die traditionelle Prägung der Stadt beruhte auf der Transformation der westfälisch – münsterländischen Ackerbürgerdörfer in der Emscherregion durch den nach Norden gewanderten Bergbau – in den 70’er und 80’er Jahren des letzten Jahrhunderts war Herten stolz darauf, größte Bergbaustadt Europas zu sein. Heute ist das letzte fördernde Bergwerk in Herten lange Jahre Geschichte, die Zechenbrachen schließen sich, zuletzt jetzt mit den Flächen der Zeche Westerholt.
Auch die Arbeitsmigration der letzten hundert Jahre hat in der Stadt immer wieder zu tiefgreifenden Veränderungsprozessen geführt.

Wenn sich die SPD jetzt mit dem Arbeitskreis Stadtentwicklung Gedanken über die Zukunft der Stadt in den nächsten etwa 20 Jahren machen wird, dann deshalb, weil die heute geborenen 2040 gerade ihre Schule oder Berufsausbildung abschließen. Schon heute gestalten wir, mit welchem Rüstzeug, mit welchen Fähigkeiten sie in das selbstbestimmte Leben starten.

Worum geht es uns? „Die meisten Menschen, woher sie auch immer kommen, wie auch immer sie aussehen, suchen dasselbe. Sie versuchen nicht, stinkreich zu werden. Sie erwarten nicht, dass andere für sie tun, was sie selbst tun können. Aber sie erwarten, dass sie, wenn sie bereit sind, zu arbeiten, auch die Möglichkeit haben, eine Arbeit zu finden, mit der sie ihre Familie ernähren können. Sie erwarten, nicht in den Ruin zu schlittern, nur weil sie krank werden. Sie erwarten, dass ihre Kinder eine Chance auf eine gute Bildung bekommen, die sie auf den Wandel der Wirtschaft vorbereitet, und dass sie in der Lage sein werden, sich das College zu leisten, wenn sie sich genug anstrengen. Sie wollen vor Kriminellen und Terroristen geschützt werden. Und sie denken, dass sie nach einem langen Arbeitsleben in der Lage sein sollten, einen Lebensabend in Würde und Achtung zu verbringen,“ so formuliert es Barack Obama.1

Die kommunalen Formate repräsentativer Demokratie haben sich in den letzten 75 Jahren eindeutig bewährt. Rat, direkt gewählte*r Bürgermeister*in und Fachausschüsse kümmern sich in den Wahlperioden um eine gute kommunale Selbstverwaltung.

Mit dem Beteiligungsformat der „Stadtteilforen“, wie sie die SPD in ihrem Wahlprogramm vorgeschlagen hat, soll darüber hinaus Politik von allen solidarisch mitgestaltet werden. Über die Vereine soll den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, für sich selbst, ihre Ideen und ihre Interessen einzustehen Wir wollen so das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und unbürokratisch Verbesserungen in den Stadtteilen ermöglichen. Dazu soll auch ein Verfügungsfond bereitgestellt werden, wie wir es aus den Stadtumbaugebieten kennen.

Gleichzeitig wollen wir die Stadtgesellschaft ermutigen, die strukturellen Voraussetzungen für eine übergreifende Perspektive „Herten 2040“ zu schaffen. Dazu gehören auch mobilisierende übergreifende Themen wie „smart city“ – die digitale Stadt, Klimaschutz mit den besonderen Schwerpunkten Wasserstoff für die Energiewende, IGA 2027 für die Klimaanpassung und die Entwicklung und Umsetzung einer tiefgreifenden Verkehrswende.

Stadtentwicklung muss über die räumliche Stadtentwicklung hinaus alle Lebensfelder der Menschen in der Stadt betreffen. Um die Stadtteilforen und die Entstehung einer solchen Vision vorzubereiten und zu begleiten, wollen wir den Arbeitskreis Stadtentwicklung jetzt neu starten.

Was wir uns vornehmen, ist nicht trivial, zum Teil auch nicht leicht vereinbar mit dem politischen Tagesgeschäft. Deshalb brauchen wir Strukturen und Zeithorizonte, die realistisch, herausfordernd und auch für Menschen interessant sind, die sich nicht in der SPD engagieren.

Dem Arbeitskreis Stadtentwicklung sollen verschiedene Gruppen angehören:

Kernteam und Steuerungsgruppe
Jetzt hat sich eine Gruppe von Menschen aus dem Stadtverband der Partei, der Fraktion und der Stadtverwaltung gebildet, welche die Arbeit im Arbeitskreis steuern und begleiten wird. Als Sprecher und für die Moderation, Betreuung, Vor- und Nachbereitung stehen Yannick Schenker und Cay Süberkrüb zur Verfügung.

Wir stellen uns vor, dass sich darüber hinaus eine bunte, heterogene, altersgemischte Gruppe von Menschen bildet, die möglichst für den ganzen Prozess, unter Umständen aber auch nur für bestimmte Interessenfelder teilnimmt.

Wir suchen aktiv, freuen uns aber auch über Interessenbekundungen von:

Vertretungen gesellschaftlicher Gruppierungen zum Beispiel aus Vereinen, Unternehmen, Initiativen

  • Menschen, die ihr Wissen und ihre Ideen einbringen wollen
  • Initiativen um das Feld Demokratie leben / Jugendforum / Fridays for Future
  • Weitere Aktivist*innen aus der vielfältigen Hertener Stadtgesellschaft
  • Menschen, die 2040 in Herten ihren Lebensmittelpunkt haben wollen

Eingeladen ist besonders auch Bürgermeister Matthias Müller, seine Vorstellungen zur Stadtentwicklung einzubringen.

1 Barack Obama, Ein verheißenes Land, 1. Auflage München 2020, ISBN 978-3-328-60062-6, Seite 80

 

Zeithorizont:

Wir wollen 2021 nutzen, um Strukturen zu schaffen, Teilnehmende anzusprechen, Basisinformationen auszutauschen und erste Anstöße zu geben.

2022 und 2023 soll inhaltlich gearbeitet werden, die Inhalte sollen breit diskutiert und zusammengeführt werden; das Ergebnis wird eine Position der Hertener SPD werden.

Anfang 2024 wollen wir die Ergebnisse zusammenführen, präsentieren und in das Wahlprogramm 2025 der SPD einfließen lassen.

 

Methoden, Prozesse, Strukturen:

Vorstellbar ist, dass wir mit fünf Fragestellungen im Gesamtprozess, aber auch in untergeordneten Einzelfeldern Struktur schaffen können:

 

  • Wo stehen wir in Herten?
    Hier müssen die derzeitige Lage und die bisherige Entwicklung statistisch, aber auch beschreibend als Ausgangspunkt genutzt werden. Eine Basis kann dafür aus dem Stadtentwicklungskonzept Herten 2020 entnommen werden.
  • Was wollen wir erreichen (lang und mittelfristige Ziele)?
  • Was müssen wir dafür tun?
  • Wie gehen wir da ran (Prozesse und Strukturen)?
  • Was müssen wir einsetzen (Personen und Finanzen)?